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Pressespiegel
Zwei Uraufführungen
CHORKONZERT / Die Chorgemeinschaft Contrapunkt gab in der Peterskirche ein Konzert mit Werken von Erdmann.
VON PAUL SCHORNO
BASEL. Es zählt zu den Qualitäten eines guten Chors, dass er sich zugunsten einer werkgerechten Interpretation in seiner vokalen Entfaltung anzupassen versteht. Hebt er dabei noch das Werk eines heutigen Komponisten aus der Taufe, ist das meist mit erhöhten Anforderungen verbunden. In dieser Lage befand sich beim Konzert in der Peterskirche (am Tag darauf in der reformierten Kirche Arlesheim) die Chorgemeinschaft Contrapunkt.
Ihr oblag die Uraufführung des vom deutschen Komponisten Veit Erdmann vertonten Sonnengesangs des Heiligen Franziskus von Assisi, geschrieben für gemischten Chor und Marimbaphon. Hymnischen Lobgesängen ist unsere Zeit eher abhold. Erdmann erfand, vom Wort herkommend und aus der Sprache heraus, eine Klangwelt, bei der recht spärlich die Ebene des angehoben wirkenden Sprechgesangs durch ein befreiendes Singen in einem sich rundenden Bogen aufgegeben wird.
Der Chor, vom Gründer und Leiter Georg Hausamann zur harmonischen Gemeinschaft herangebildet, hatte hier andere Qualitäten zu entwickeln, als den ihm so wohl anstehenden, lustvoll vitalen und direkt ansprechenden Liedvortrag: keine jubelnden, die Verse einleitenden Lobgesänge waren gefordert - verlangt war eher eine verhaltene, sich durch vorzügliche Diktion auszeichnende Tonsprache, die atmosphärisch eine fast durchwegs bedachtsame bis meditativ erscheinende Ausformung erwirkte. Grundiert noch durch den weichen, dunklen, hölzernen Ton des Marimbaphons. Zusammen mit dem Chor und dem Dirigenten, aber auch mit dem Solisten Urs Wiesner nahm der Komponist den herzlichen Applaus des Publikums entgegen.
Die zweite Uraufführung, ebenfalls eine Komposition von Veit Erdmann, setzte sich aus der Vertonung von vier Gedichten von Georg Trakl unter dem Titel «Sommers Neige» zusammen: Texte, schwer von Dunkelheit und Melancholie. Auch hier, bei sublimen dissonantischen Reibungen, zeichnete sich der Chor durch dynamische Flexibilität und Sicherheit in der Intonation aus, was bei der wenig lukullischen Melodieführung nicht immer leicht war. Bemerkenswert der am Ende der Lieder in der Schwebe gehaltene, Nachdenklichkeit signalisierende Ton.
Freieres Aussingen, nach einem stimmungsvollen Interludium von Urs Wiesner für Marimbaphon, bei der kleinen Ringelnatziade mit drei Gedichten von Joachim Ringelnatz. Ganz a cappella gesungen, wie die Trakl-Lieder auch, gefiel der hier gesetzte, poröse Chorklang, der belegt, wie wichtig dem Dirigenten Stimmbildung und die Vermittlung von Atemtechnik sind.
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