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Pressespiegel
Melodiöse Experimente
Die Chorgemeinschaft Contrapunkt und Christian Zehnder
BENJAMIN HERZOG
Eine szenische Chorperformance bringt Musik aus dem Mittelalter und Obertongesang zusammen.
Es muss nicht immer das «Deutsche Requiem» oder «Der Messias» sein. Die Chorgemeinschaft Contrapunkt pflegt zwar auch die Klassiker des Chorrepertoires, singt sich aber gerne auch in andere Regionen vor. So wird der Chor am kommenden Wochenende drei als Gesamtkunstwerk angekündigte Konzerte geben - mit dem Titel «Melos». Melodie, Weise, Lied - vieles kann man sich unter dem Begriff vorstellen, und auch wieder nichts. Ein bekannter Name kann somit der Vorstellung ein bisschen weiterhelfen, was uns bei dem Projekt «melos» erwarten könnte: Christian Zehnder.
OBERTÖNER. Ihn nie gehört zu haben, ist fast unmöglich. Sei es als Mitglied des Duos «Stimmhorn» oder solo, sei es im Konzert, am Fernsehen oder im Theater. Der Obertonsänger, Stimmperfonner und Multiinstrumentalist lebt in Basel und macht international Karriere. Wer je Zeuge war, wie Zehnder über Oktave, Quinte und Quarte eine Obertonsäule aus sich herausschillern liess, dürfte dieses faszinierende Erlebnis nicht vergessen.
Das Experimentalprojekt «Melos» unternimmt einen Gang durch die Musikgeschichte und darüber hinaus. So sollen die Besucher den Urschrei erleben, den Gesang der Ekstase, Chorimprovisationen, Zehnders Obertonsingen, aber auch schlichte mittelalterliche Lobgesänge.
ESTLAND. Zufall oder nicht: Während sich das zeitgleich stattfindende Festival «Culturescapes» auf Estland konzentriert, führt auch die Chorgemeinschaft Contrapunkt mit Veljo Tormis einen estnischen Komponisten im Programm. Tormis, dessen prominentester Schüler Arvo Pärt ist, sammelte die Musik der vom Aussterben bedrohten ostseefinnischen Kleinvölker. Es ist anzunehmen, dass diese archaische, wohlklingende Volksmusik auch in seine Komposition «Jaanilaul» eingeflossen ist. Ein Stück, das Tormis übrigens für die ungewöhnliche Zahl von zwölf verschiedenen Stimmen geschrieben hat.
Chorleiter Georg Hausammann sucht auch diesmal neue Konzertformen, experimentiert mit verschiedenen Choraufstellungen im Raum. Darüber hinaus versteht sich die Aufführung als Spektakel für Auge und Ohr, in dem Licht und die Ausstattung der Singenden eine wichtige Rolle spielen. Und natürlich der «Melos» - was nämlich auch einfach «Gesang» heissen kann.
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