Chorgemeinschaft Contrapunkt






 
 
     
 

Pressespiegel

Wie eine Klangcollage
Badische Zeitung, 2010

Der Contrapunkt Chor mit dem außergewöhnlichen Konzert "Lichteinfall" in der Kirche St. Peter und Paul in Weil am Rhein.

Klänge zwischen Licht und Dunkel: Der Contrapunkt Chor faszinierte mit seinem "Lichteinfall"
Foto: Roswitha Frey

Es ist noch hell draußen, als der Contrapunkt Chor das "Nachtlied" von Max Reger anstimmt. Sanft leuchtet das Blau der Kirchenfenster von Emil Wachter in den Raum, und höchst subtil sind auch die Farbnuancen und Schattierungen in den Chorstimmen. Das Licht spielt eine wesentliche Rolle in diesem außergewöhnlichen Konzert "Lichteinfall", das wie eine Klangchoreografie zwischen Licht, Dämmerung und Dunkel changiert - ein intensives, berührendes Erleben von vokalen und instrumentalen Lichtwirkungen mit A-cappella-Gesang, Cello, Schlagwerk und Solosopran.

Eine alltagsentrückte Atmosphäre umfängt die vielen Zuhörer in der Kirche St. Peter und Paul in Weil am Rhein. Einzelne Kerzen und gedämpfte Lichtquellen erhellen den abgedunkelten Raum, der Chor ist mal mehr, mal weniger in Licht getaucht. Diese wechselnden Lichtreflexionen und -stimmungen spiegeln sich auch im wunderbar differenzierten, intonationsreinen und bis ins leiseste Pianissimo superb ausgehörten Gesang dieses Chors, der zu den besten Chören weit über die Region hinaus gehört und für seine unkonventionellen Projekte bekannt ist. Hell und klar durchgezeichnet klingt der Chorklang, schwebend und schwerelos in den mystischen Gesängen aus Island und Lettland, die dieses Themenkonzert durchziehen.
Die neue junge Dirigentin Abélia Nordmann, die seit gut einem Jahr auch die Weiler Chorgemeinschaft 75 leitet, dirigiert ihren Contrapunkt Chor mit behutsamen Gesten, als halte sie eine kostbare Schale von Stimmen in Händen und forme sie liebevoll und sorgsam zu einem homogenen Klangkörper. Die Chorinszenierung führt in verschiedenste Klangsphären von Licht und Nacht, von der innigen Chorromantik eines Reger und Rheinberger über Gesänge aus Schweiz wie "Schönster Abendstern" zu den zeitgenössischen Chorwerken aus nordischen und baltischen Gefilden, von lettischen, finnischen und dänischen Komponisten.

Sehr meditativ und verinnerlicht klingt der Gesang in einem Gebet aus Island von Harfen und Himmelselfen. In den geistlichen isländischen "Songs" von Snorri Sigfús Birgisson, die aus dem Volkstümlichen stammen und zutiefst religiös sind, bricht der helle, kristallinklare Sopran von Viola Molnar wie ein Lichtstrahl ins Dunkle. Die junge Sängerin führt ihre Stimme in immer höhere, lichterfüllte Sphären, während die isländische Cellistin Gyða Valtýsdóttir sehr expressiv dunkelsonore Klänge erzeugt.

Nahtlos setzt dann der Chor sanft beschwörend mit Jaakko Mäntyjärvis "Come away, death" aus den "Shakespeare Songs" ein; sehr verinnerlicht, friedvoll tröstlich klingt Bachs Choral "Komm, süßer Tod", der sich in Knut Nystedts "Immortal Bach" zu mächtigen Clustern steigert.

Gleichsam wie eine Klangcollage spielen Gyða Valtýsdóttir auf dem Cello und der Schlagzeuger Dominik Dolega frei entwickelte, improvisierte Stücke, die sehr expressiv und lautmalerisch die Stimmung des Nächtlichen einfangen. Mal bohrend intensiv, mit Kratz- und Schabgeräuschen, mal zart gezupft, wird das Cello zum ausdrucksstarken variablen Klangwerkzeug, und der Perkussionist entlockt seinem Instrumentarium, den Gongs, Becken, Glocken, Tamtam, Trommel und Triangeln vielfältigste Metall- und Holzklänge, ein Raunen und Rascheln, Natur- und Vogellaute, die an unheimliche, geheimnisvolle Klänge der Nacht erinnern. Cello, Perkussion, Solosopran und Chor wirken zusammen in dem modernen "Epitaph for Moonlight" von Raymond Murray Schafer, erfüllen den Raum mit assoziationsreichen Klängen von Licht und Dunkel.

Höchst einfühlsam singt der Contrapunkt Chor das poesievolle "Sleep" von Eric Whitacre, das von den Geräuschen der Nacht, von Schatten, Träumen und Irrlichtern erzählt. Das Naturmystische eines anbrechenden Morgens wird in einem lettischen Gesang von Peteris Vasks beschworen, der mit seiner eigenen Klangsprache sehr berührt. Als der Chor zum Schluss Rheinbergers "Abendlied" und als Zugabe "Der Mond ist aufgegangen" singt, ist es draußen dunkel - und die Zuhörer tief erfüllt von einem unvergesslichen Konzerterlebnis. Der Applaus will gar nicht enden.

Autor:ros

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